Horizon Report 2020: Veröffentlichung und geplante deutsche Fassung

Anlässlich des ELI Annual Meeting Anfang März sollte der Horizon Report 2020 offiziell der Öffentlichkeit präsentiert werden – wie leider viele Veranstaltungen ist aber auch diese bedingt durch COVID-19 abgesagt worden (weitere Infos unter educause.edu). So wurde der diesjährige Horizon Report fast beiläufig bereits am 2. März online gestellt, wie wir Anfang März auch schon über unsere Social-Media-Kanäle informiert hatten (u.a. auf Twitter). Der 2020 EDUCAUSE Horizon Report ist hier online verfügbar.

Das Multimedia Kontor Hamburg (MMKH) war auch in diesem Jahr wieder im Expert Panel vertreten. Seit 2009 hat das MMKH deutsche Übersetzungen des Horizon Report erstellt und kostenfrei online verfügbar gemacht. Nach einem intensiven Austausch mit EDUCAUSE freuen wir uns nun sehr ankündigen zu können: Eine neue Kooperation ist beschlossen, so dass eine deutsche Fassung des Horizon Report 2020 gemeinsam von MMKH und EDUCAUSE bereitgestellt werden wird. Auch die bereits erstellte Übersetzung 2018 soll demnächst öffentlich verfügbar gemacht werden. Über die Veröffentlichungen informieren wir online sowie in unserem Campus Innovation Newsletter.

Die Initiative EDUCAUSE führt seit 2018 die Publikation des Horizon Report fort, den das leider nicht mehr existente New Media Consortium (NMC) 2004 ins Leben gerufen hatte. Die frühere "Higher Education Edition" bzw. Hochschulausgabe trägt nun den Untertitel "Teaching and Learning Edition". Auch sonst hat sich so einiges geändert: Nachdem EDUCAUSE den Report 2018 und 2019 auf der vom NMC entwickelten und über viele Jahre bewährten Grundlage weitergeführt hatte, wurden für die Ausgabe 2020 Methodologie und Struktur des Reports revidiert und neue inhaltliche Aspekte und Formate eingeführt. Nach wie vor bilden aber sechs technologische Trendthemen mit Relevanz für akademisches Lernen und Lehren den zentralen Teil des Reports. Diese wurden vom Expert Panel über Delphi-basierte Auswahlschritte ausgewählt.

Das international besetzte Expert Panel begleitet die Vorarbeiten zum Report, bringt Themenvorschläge, Praxisbeispiele und Diskussionsbeiträge ein und gibt den Ausschlag, welche Themen in den Report aufgenommen werden. Anschließend geht das EDUCAUSE-Team in Klausur, um den Report zu schreiben. Bedauerlicherweise ist die vorbereitende Arbeit des Panels nicht mehr öffentlich online einsehbar, wie es mit dem Horizon Wiki des NMC der Fall war, das den gesamten Prozess dokumentierte. Beibehalten wurde aber der öffentliche Call für Beispiele aus der Praxis, die die Trends belegen. Denn das war dem Horizon Report-Team immer wichtig: Es soll nicht "nur geträumt" werden, sondern die beschriebenen Trends müssen nachweisbar sein.

Was beim neuen Report sogleich ins Auge fällt: Es wird auf eine Einteilung in die traditionellen drei Zeithorizonte des Horizon Report verzichtet. Als jährliche Momentaufnahme hatte der Horizon Report bislang sechs Technologien auf ihre Bedeutung für den Hochschulbereich im Zeitraum der jeweils kommenden fünf Jahre untersucht. Das EDUCAUSE-Team erläutert, dass es aufgrund des Feedbacks sowie auch der Unmöglichkeit, genaue Zeithorizonte vorauszusagen, den Fokus stärker auf das „Was“ statt auf das „Wann“ legen wollte. In der Tat war der bisherige Horizon Report dafür kritisiert worden, dass die jährlichen Erkenntnisse nicht konsistent aufeinander aufbauten. Der durchschnittlich 50-60 Seiten umfassende Report stand jeweils nur für einen kleinen Ausschnitt aus den im NMC Horizon Project kontinuierlich beforschten Themen. Dabei kam es vor, dass Trends wiederholt im Report erschienen – wenn auch mit abgewandeltem Fokus oder unter neuen Voraussetzungen, z.B. neuen Funktionalitäten und Einsatzmöglichkeiten für den Einsatz in der Lehre. Gleichzeitig ließ das PDF-Format des Reports einen Vergleich mit allen Reports über die Jahre und die Identifikation von Megatrends nur mit großem Aufwand zu. Dies beklagten auch Expert*innen wie Stephen Downes, Audrey Watters oder Jochen Robes, die sich ihrerseits teilweise die Mühe machten, Themenüberblicke über mehrere Jahre des Horizon Report zu erstellen.

Die Technologien, die im diesjährigen Report im Hinblick auf ihre Bedeutung für akademisches Lehren und Lernen analysiert werden, sind:

  • Adaptive Learning
  • AI/Machine Learning
  • Analytics for Student Success
  • Elevation of Instructional Design, Learning Engineering, and UX Design
  • Open Educational Resources
  • XR (AR/VR/MR/Haptic) Technologies

Eingebettet werden diese Technologien im Report in fünfzehn soziale, technologische, ökonomische, pädagogische und politische Kategorien (die sogenannten STEEP categories: Social, Technology, Economic, Educational, Political). Sehr anschaulich dargestellt sind die technologischen Trends und die Interrelationen mit den STEEP-Kategorien in der neuen Mind Map.

Ein ebenfalls interessantes neues Feature des Horizon Report ist die Analyse zukünftiger Szenarien bis 2030 unter den vier Aspekten Growth, Constraint, Collapse, Transformation – zu finden ab S. 32 im Report: hier also nun doch der Versuch eines Blicks in die Glaskugel.

Last but not least haben sich neun Mitglieder des Panels gefunden, die in "Implications Essays" (ab S. 37) die Ergebnisse des Reports mit Bezug auf ihr eigenes Arbeitsumfeld beleuchten. Acht Essays skizzieren Perspektiven verschiedener Länder und Hochschultypen und eines die Unternehmenssicht auf Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen.

Unter großem Aufwand hat EDUCAUSE neue Formate und Ansätze für die Erarbeitung und Bereitstellung des Horizon Report 2020 entwickelt und diesen somit auch als Publikation zukunftsfähig gemacht. Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit EDUCAUSE und die kommenden Horizon Reports!